Familienzentrum in Anröchte nun auch offiziell seiner Bestimmung übergeben - Nach nur acht Monaten Bauzeit und einer Geschichte voller Provisorien

Blauer Himmel, weißer Sand, lachende Kinder. Was wie eine Szene im Familienurlaub aussieht, erlebt Christiane Rüther beim Blick durch ihr Bürofenster auf den Spielplatz fast jeden Tag. Die Leiterin des Familienzentrums Anröchte weiß, dass dieser Blick hart erkämpft ist. Rund 18 Monate Planung, Anträge, Container, zwei Umzüge, 450 gepackte Kartons und eine Abrissparty lagen hinter ihr und ihrem Team, als am vergangenen Samstag das neue Familienzentrum mitsamt Gemeindekindergarten offiziell eingeweiht wurde.

Der Neubau ersetzt ein Gebäude, das seinen Dienst weit über die ursprünglich geplante Zeit getan hatte. Vor 52 Jahren als Ersatzbau für die benachbarte Grundschule entstanden, war der alte Kindergarten längst kein Provisorium mehr – sondern Erinnerungsort für Generationen von Anröchterinnen und Anröchtern. Auch Bürgermeister Alfred Schmidt wuchs dort auf. Der Abschied fiel trotzdem nicht schwer, weil das, was danach kam, überzeugte. In Holzständerbauweise errichtet, wuchs das neue Gebäude in einem Tempo, das selbst Baufachleute staunen ließ: Im Juli letzten Jahres standen die Wände, im September stand an alter Stelle ein neues Familienzentrum.

 

„Wir eröffneten hier nicht einfach einen Kindergarten“, sagte Alfred Schmidt bei der Feierstunde. „Wir weihten ein Herzstück für unsere Familien ein – einen Ort, der atmet, der Wärme gibt und der zeigt: Diese Gemeinde investiert in ihre Kinder, auch wenn die Kassen nicht üppig gefüllt sind.“

 

86 Kinder und 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hatten die Übergangszeit in einer Containerlandschaft gegenüber dem Bauplatz verbracht. Was sich sperrig anhört, war nach Aussage aller Beteiligten erstaunlich menschlich. „Innerhalb von wenigen Monaten haben wir Kinder und Erwachsene in einer Containerlandschaft untergebracht – und wir haben dabei nie vergessen, was zählt: Was brauchen die Kinder, wie machen wir es ihnen so leicht wie möglich“, erinnerte Christiane Rüther in ihrer Ansprache. „Das Ergebnis war eine Containerlandschaft, in der sich Eltern, Kinder und Personal wohlfühlen konnten. Mein Team ist einfach das Beste.“

 

Das neue Gebäude setzt auf Raumqualität. Helle, freundliche Gruppenräume, ruhige Schlafbereiche, eine moderne Küche mit großem Kinderrestaurant, ein Turnraum mit Platz für echten Sport – und ein Außengelände, das Kinder in Superlative trieb. „Bester Spielplatz, den ich je gesehen habe“, lautete das Urteil der kleinen Expertinnen und Experten, die es am besten wissen mussten.

 

Das Familienzentrum ist mehr als Betreuung. Beratungsangebote der Beratungsstelle für Kinder und Jugendliche aus Warstein, systemische Beratung, Ergotherapie, Logopädie und Frühförderung werden künftig unter einem Dach gebündelt. Eltern-Kind-Yoga, Vater-Kind-Kochen, Schnupperkurse in Sport, Musik und Kunst ergänzen das Programm. Kooperationen mit der Grundschule, dem TuS 06 Anröchte und der Caritas machen das Haus zu einem echten Knotenpunkt im Gemeindeleben.

 

Dass das alles in dieser Zeit möglich war, verdankte die Gemeinde vielen: Steffi Simon, die das Team durch den Antragsdschungel geführt hatte, Doro Schlüter und Elke Romstadt-Grüne, die Pläne schmiedeten, verwarfen und neu dachten, Hausmeister Mario, der unzählige Male die Situation gerettet hatte, und einem Gemeinderat, der die Entscheidung für Qualität und Nachhaltigkeit getroffen hatte, als andere gezögert hätten.

 

Der Bürgermeister schloss mit einem Satz, der über den Tag hinauswies: „Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf. Mit diesem Familienzentrum haben wir diesem Dorf ein modernes, warmes und einladendes Zentrum gegeben.“ Zum „Tag des Baumes“ hatte Alfred Schmidt noch eine Überraschung mitgebracht. Gemeinsam mit Christiane Rüther pflanzte er vor dem Familienzentrum ein Obstbäumchen, um den Kindern den Kreislauf der Natur, Verantwortung und Nachhaltigkeit durch aktives Erleben näherzubringen.

 

Am Nachmittag feierten rund 300 kleine und große Gäste bei Kaffee, Kuchen und einem bunten Rahmenprogramm für die Kids die Einweihung des neuen Familienzentrums. 

 

Ihre Ansprechpartnerin: Christiane Rüther, Tel. 02947 3969, familienzentrum@anroechte.de

Birgit Hendriks, Wera Müller, Alfred Schmidt, Christiane Rüther und Dorothé Schlüter (v. l.) weihten das neue Familienzentrum ein Foto: Holger Bernert