

Bereits ein Jahr nach seinem Dienstantritt beantragte Amtmann Stennes, entgegen den damaligen allgemeinen Regelungen, die Ausrüstung der Anröchter Polizei mit Revolvern. Dies wurde vom preußischen Innenminister auch gestattet. Im Jahre 1908 wurde ein verschärfter Forstschutz eingerichtet. Stennes war bemüht, "energisch Ruhe und Ordnung in der sehr unruhigen Gemeinde herzustellen". Sein Vorgehen gegen das "Rowdytum" führte im gleichen Jahr zu sieben Verurteilungen zu Gefängnisstrafen zwischen vier und sechzehn Monaten. Gleichzeitig bemühte sich Amtmann Stennes um seine Integration in das Vereinsleben.
Er schreibt: "Mein Verhältnis zu der Gemeinde Anröchte ist ein gutes. Den Einwohnern habe ich gern ihre Festlichkeiten erlaubt und mich auch selbst daran beteiligt, was durchweg anerkannt wird. Die Leitung des Kriegervereines habe ich auf vielfaches Ersuchen übernommen, eine Feuerwehr von 60 Personen habe ich ins Leben gerufen und feite sie. So sind meine Beziehungen zu der Einwohnerschaft ebenso gute wie ich ein erklärter Gegner der schlechten Elemente bin, die in meiner Person ihren schärfsten Feind sehen."
In seiner Beurteilung hat er aber wohl die relativ starke Verwurzelung der meist jungen "Rebellen" in der Anröchter Bevölkerung unterschätzt. Die Reaktion auf das scharfe Vorgehen der Obrigkeit ließ nicht lange auf sich warten: Im November 1908 wurden 60 Obstbäume abgeschlagen und in der Neujahrsnacht fanden zwei "Attentate" statt. Am 18. August 1909 wurden die ersten scharfen Schüsse auf das Amtshaus abgefeuert. Ein Schuss durchschlug die Scheibe und Fensterlade und drang in ein Aktenregal ein.
Die ersten selbstgebauten Bomben detonierten im November 1909. Betroffen waren die Treppen bzw. Wohnhäuser des Nachtwächters Schmidt und des Wegewärters Stallmeister. Verwandt wurden stählerne Narben (Wagenbuchsen) von Ackerwagen (35 cm lang, 8 cm Durchmesser) mit einem Sprengstoffgewicht von ca. 3 kg. Es kam zu erheblichen Sach- aber keinen Personenschäden.
In einem Bericht an den Landrat beschwert sich der Amtmann in diesem Zusammenhang über die fehlende Unterstützung des Gemeinderates und des Ortspfarrers bei der Verfolgung der Straftaten.
Im Jahre 1910 kam es dann zur Verhaftung von mehreren Steinhauern. Trotzdem wurde im März 1910 ein scharfer Schuss auf die Wohnung des Amtmannes abgegeben. Dieser bat in einem Schreiben an den Landrat eindringlich um seine Versetzung aus Anröchtte in ein "Industrieamt". Er befürchtete auch Anschläge auf seine Familie. Über die im gleichen Jahr von Amtmann Stennes geforderte Verstärkung der Ortspolizei und die Anschaffung eines Polizeihundes kam es dann zu einer Konfrontation zwischen dem Gemeinderat und der Amtsvertretung. Während im Amt eine Unterstützung für das Vorgehen des Amtmannes vorherrschte, gab es in der Gemeinde heftigen Widerstand, der im Rücktritt der Gemeindevertretung gipfelte.
Im Frühjahr 1911 gab es dann noch Gewehrschüsse auf die Wohnstubenfenster des Amtsekretärs Bürger, die Wohnung des Amtmannes, das Schaufenster des Geschäftes Schopohl und auf den Gendarmerie-Wachtmeister Blodau sowie Belastungszeugen. Im April und Mai wurden selbstgebaute Bomben vor dem Haus des Maurers Henneboel in Klieve und in der Weide des Landwirtes Bürger-Hölscher zur Detonation gebracht. Bei diesen Ereignissen gab es keine Verletzten. Als Reaktion auf diese massiven Ausschreitungen bewilligte der Gemeinderat dann doch die Einstellung eines 2. Nachtwächters und eines 3. Gendarmen in Anröchte. Drei junge Männer wurden verhaftet und im November zu Zuchthausstrafen verurteilt. Trotzdem wurden noch Fenster eingeschlagen, Scheunen angezündet und Einbrüche in Schmieden zur Beschaffung von Wagenbuchsen verübt.
Im Februar 1912 explodierte erneut eine Wagenbuchse beim Gemeindevorsteher Schorlemer und es wurde auf den Zeugen Thöne in Anröchte geschossen. Weitere Täter wurden im Mai 1912 zu Zuchthausstrafen verurteilt. Dann trat Ruhe ein.
Amtmann Stennes schreibt: "Die Bewachung des Ortes durch die vermehrten Polizeikräfte, die Anschaffung eines gut eingeschlagenen Polizeihundes, die scharfen gerichtlichen Strafen und nicht zuletzt die kräftige Beleuchtung der Straßen durch die elektrische Lichtanlage haben ihre Wirkung nicht verfehlt."
In der Bewertung dieser unrühmlichen Ereignisse war die damalige Bevölkerung Anröchtes sicherlich gespalten. Zum einen gab es eine Anzahl direkt Betroffener und Bedrohter, andererseits wurden auch Sympathien für die rebellischen jungen Leute bekundet. Viele waren eingeschüchtert und verhielten sich passiv.